2017 – Ein Jahr voller Trainer | Erster Akt

 

Das Jahr geht zu Ende und Heiligabend nähert sich rasant. Zeit für einen Jahresrückblick:

 

Wir sind September 2016 mit der gesamten Familie hier nach Velen-Ramsdorf gezogen, auf eine kleine Privatanlage, die wir nach unseren Vorstellungen zu einer Seminaranlage für Reiter und Pferd umgestalten. Das Verb Umgestalten in Gegenwartsform, weil wir damit wohl nie fertig sein werden. Es gibt immer etwas zu tun oder zu optimieren, um es für Pferd und Reiter noch schöner zu machen. Angefangen hat das Projekt Clover Leaf Ranch mit einer bloßen Idee und Wunschvorstellung. Seit Februar 2017 arbeiten wir nun an der Realisierung zusammen mit zahlreichen Trainern. Ich möchte nun die folgenden Zeilen nutzen und eine Reise durch das Jahr 2017 machen.

 

2017 – Ein Jahr voller Trainer (Ein Jahresrückblick in 2 Akten)


Erster Akt

Auftakt mit Stefanie Gottschalk

Steffi kenne ich seit 2012. Sie war es, die sich um meine Jungstute kümmerte, als sie bei Svea Kreinberg auf Goting Cliff zu Beritt war. Daher freue ich mich ganz besonders, dass sie uns zum Auftakt unseres verrückten Projektes im Februar zu einem Gelassenheitskurs besuchte. Im kleinen Kreis konnten die Kursteilnehmer an ihren ganz persönlichen Problemen und Schrecksituationen arbeiten. Zu Gast waren ganz unterschiedliche Paare von der M-Dressurreiterin mit ihrem 9 Jahre alten Warmblut bis hin zu Freizeit-Westernreiter mit ihren Jungpferden. Steffi machte von Anfang an deutlich, dass man die einzelnen Pferde und ihre Ängste nicht miteinander vergleichen solle und es für das eine Pferd ein Erfolg ist, wenn es später über eine Plane läuft, während es für ein anderes Pferd bereits ein Fortschritt ist, wenn es entspannt neben der Plane steht. Steffi zeichnet aus, dass sie immer ruhig auf jeden Teilnehmer individuell eingeht und dabei aber ganz offen und direkt Problempunkte anspricht, was ich persönlich sehr schätze und was mir bei meiner Stute damals auch half eine andere Perspektive auf unsere Zusammenarbeit einnehmen zu können. Sie kommt dabei ohne großes Tammtamm daher und arbeitet mit dem, was ihr zur Verfügung steht. Wer auf eine esoterische, Karottenstick-schwingende Horsemanship-Guru-Tante wartet, wird enttäuscht. Das ist auch sicherlich der Grund, warum sich nicht nur Westernreiter, sondern auch eingefleischte Dressurreiter zu ihr zum Lehrgang trauten. Einen weiteren Kurs mit ihr zum Thema tägliches und abwechslungsreiches Training gab es dann im März, bei dem ich glücklicherweise selbst aktiver Teilnehmer war, um erneut in den Genuss guten, reitweisenunabhängigen Unterrichts zu kommen.

Deal or No Deal mit Michaela Koelbl

Michaela stellte sich mir dieses Jahr als Horsemanship-Trainerin vor und ich war von ihrer Arbeit sofort überzeugt. So kam es, dass wir im Februar einen Problempferdekurs und einen extrem erfolgreichen Demo-Tag abhielten. Das Besondere an Michis Arbeit ist, dass sie schnörkellos und unspektakulär daherkommt. Es ist sehr eindrucksvoll zu sehen, dass ihre Reset-Methode bei jedem Pferdetyp funktioniert. Michaelas Anliegen ist es ein jedes Pferd in eine Art „Urzustand“ zurück zu versetzen, um etablierte Verhaltensauffälligkeiten abzustellen und einen Weg aus der Sackgasse heraus zu finden. Sie versteht es Parkuhren in effiziente und motivierte Energiesparer zu verwandeln, die, wenn es darauf ankommt, effektiv und impulsiv Energie abrufen können, ohne aber dabei zu überdrehen. Genauso werden gestresste Workaholics unter den Pferden heruntergefahren. Besonders eindrucksvoll war daher unser gemeinsamer Demo-Tag, an dem Michi mit 3 ganz unterschiedlichen Pferden arbeitete: Eine 9 jährige Pony-Paint-Mix Stute mit Verladeproblem, ein dominanter und aggressiver 4 jähriger Quarterwallach und ein sportl. Haflinger Wallach­Workaholic. Michi hält für jedes Pferd einen individuellen Deal bereit, der so gut ist, dass sich die sich Zusammenarbeit mit uns dermaßen lohnt, dass es freiwillig bereit dazu ist die „Extra Mile“ für uns zu gehen.

Torsten Haier und das bunte Treiben des PHCG Westfalen

Parallel zum letzten Equitana-Wochenende fand der PHCG Turniervorbereitungskurs statt. Als Kursleiter durften wir den Berliner Richter, Trainer und Turnierreiter Torsten Haier bei uns auf der Anlage begrüßen. Dieser Lehrgang richtete sich nicht nur an Paint-Reiter, sondern an alle Westernreiter mit Fokus auf die kommende Turniersaison. Wie auch im letzten Jahr stellte Torsten neben der Gymnastizierung und Vorbereitung auf das Turnier auch das „How to Show“ in den Vordergrund und zeigte mit viel guter Laune, dass sich beides nicht ausschließen muss.

 

Peter Kreinbergs Premiere

Peter Kreinberg ist seit Jahrzehnten ein Name, um den man nicht herumkommt. Er besitzt durch seine jahrelange Arbeit ein enormes Fachwissen, das zahlreichen Reitern und Pferdefreunden dabei hilft die eigene Hilfengebung zu verbessern und zu verfeinern. Als Jugendliche war ich schon großer Fan und durfte selbst vor Jahren an einem seiner Reitkurse teilnehmen. So freute es mich sehr, dass wir diesen namhaften Trainer bereits im Auftaktjahr bei uns begrüßen durften. Während seines Lehrgangs zum Thema Basisarbeit & Gymnastizierung im April arbeiteten die Teilnehmer an bewussterer, weicherer und präziserer Einwirkung des Reiters. Die Pferde dankten dieses mit mehr Gehfreude und Losgelassenheit. An diesen 2 Tagen kamen Western-, -Dressur- und Gangpferdereiter zusammen, um mehr Bewegungsgefühl im Sattel zu erlangen – unabhängig der Reitweise.

Faszination Liberty mit Jenny & Peer

Die beiden überaus sympathischen Trainer und Buchautoren Jenny Wild und Peer Claßen kenne ich durch meine Arbeit beim HORSEMAN Magazin. Das Steckenpferd der beiden ist die Freiarbeit – und ich meine damit nicht die Art von Arbeit mit Pferden in Form einer Zirkusdarbietung. Klar zeigen beide Liberty in ihrer vollendeten und spektakulären Form, jedoch geht es bei ihrer Arbeit vielmehr um Motivation, Vertrauen schaffen und auch insbesondere Fragen zu Ende zu stellen. Am Demo-Abend zeigten beide nicht nur die Arbeit mit ihren eigenen Pferden, sondern demonstrierten auch an ihnen bisher unbekannten Pferden, dass unterschiedliche Pferdetypen enormen Einfluss auf die Art des Trainings haben und wie schnell es dazu kommen kann, dass falsche Einschätzung und Missverständnisse zu Problemen in der Kommunikation führen. Bei ihrer Arbeit dreht sich viel um Verbindung zum Pferd und richtige Motivation als Schlüssel zum Erfolg. Die Kursteilnehmer hatten die Möglichkeit im Anschluss an die Demo an unserem gemeinsamen Lagerfeuer teilzunehmen. In gemütlicher Runde tauschte man sich aus und lernte Jenny und Peer, der später auch noch seine Gitarre herausholte, viel ungezwungener und persönlicher kennen. Perfekte Startvoraussetzungen für den am nächsten Tag geplanten Kurs.

Cody Deering und das magische Bosal

Ein echter Working Buckaroo aus Montana mit Hut und Bart: das ist Cody Deering. Ich kannte ihn persönlich noch nicht und hatte demnach keine Ahnung, was an diesem Wochenende im Mai auf uns zukommen würde. So erging es auch den Kursteilnehmern, eine bunt gemischte Gruppe mit Interesse an etwas Unbekanntem und Neuem. „One movement of the rein is one movement of the feet“ ist ein Satz, den wir häufiger hörten. Codys Ziel ist es, das Pferd mit wenig Einwirkung zu bewegen. Es muss wach, flink und leichtfüßig sein. All sein Tun dient alleine dazu ein "Trigger Reined Horse" zu erziehen. Es muss sich selbständig bewegen, stets ausbalanciert sein und aus jeder möglichen Position heraus zu einem neuen Manöver starten können. Es geht dabei nicht um Drill. Cody ermunterte uns Teilnehmer dazu, unseren Pferden Verantwortung zu übergeben; Verantwortung sich selbst zu tragen und selbständig frei zu bewegen. Tief in ihrem Inneren, wollen sich Pferde frei und ausbalanciert bewegen. Das was stört, ist der Reiter. Wenn wir ständig eingreifen und korrigieren, lernen sie nie sich selbständig zu verbessern und alleine zu tragen. Dieses Prinzip charakterisiert Codys unaufgeregte Art mit Pferden zu arbeiten. Das unterscheidet ihn von vielen europäischen Californio-Gurus und macht ihn sehr sympathisch. Er schwingt keine großen Reden und er macht aus der Arbeit mit dem Hackamore kein riesen Geheimnis. Er ist nahbar und motiviert jeden, der wissbegierig ist und entzaubert so etwas den Mythos Hackamore in 3 Tagen.

 

Weiter geht es im 2. Akt...

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